Mediatisierung, Digitalisierung, Medien, Mensch: Bremer Stadtmusikanten einmal anders

IMG_3822.jpgJa, ihr habt recht, ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben. – Eine Begründung hierzu folgt noch zeitnah. Nur so viel: Die Begründung ist jetzt 9,5 Monate alt und heißt Alma. Dieser Begründung möchte ich den folgenden aktuellen Beitrag vorziehen.

Am 20. und 21. fand am ZeMKI der Universität Bremen die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE (Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft) unter dem Motto „Medienpädagogik in Zeiten einer tiefgreifenden Mediatisierung“ statt. Dabei waren die eingeladenen Keynotes und Beiträge sehr heterogen und haben je unterschiedliche Disziplinen repräsentiert. Dies hat vermutlich dazu geführt, dass einige Diskussionen angeregt und sich während der Tagung nur wenige leitende Argumente herauskristallisiert haben. Auf einige offene Fragen, die ich mir mitgenommen habe und die seitdem Kreise in meinem Kopf ziehen, möchte ich im Folgenden eingehen: Weiterlesen

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Offenheit in Lehre und Forschung: Königsweg oder Sackgasse?

Tagungsrückblick zum „Jungen Forum Medien in der Hochschule“ 2017

Am 15. und 16. Juni 2017 fand in den Räumlichkeiten des Hamburger Zentrums für Universitäre Lehre und Lernen (HUL) der Universität Hamburg die diesjährige Tagung des Jungen Forums Medien in der Hochschule statt.

Eine Besonderheit dieser Tagung liegt im Austausch und in der Vernetzung von Nachwuchswissenschaftler*innen auf Augenhöhe und damit im Hin-ein-Wachsen-Können in die universitäre Rolle. Eine weitere Besonderheit liegt in der interdisziplinären Vernetzung von Vertreter*innen unterschiedlicher Gesellschaften: Aus der Medienpädagogik (Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), Sektion Medienpädagogik), aus dem E-Learning- und Bildungstechnologie-Bereich (Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW)) aus der Hochschuldidaktik (Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd)) und Informatik (Gesellschaft für Informatik (GI)). Für das ZLI und als eine Sprecherin des „Jungen Netzwerks für Medienpädagogik“ (DGfE) war Nina Grünberger anwesend und berichtet hier über einige Spotlights und — passend zum Thema der Offenheit — über offene Fragen. Weiterlesen

Nachlese: Medienpädagogik in der Volksschule

Tagung | PH Salzburg | 23. bis 24.5.2017

Dass Medienpädagogik und der Einsatz digitaler Medien auch im Primarstufenbereich Relevanz hat ist wohl unstrittig. Der offenen Fragen und der Formulierung von spezifischen Chancen und Herausforderungen von (digitaler) Medienbildung ist die Tagung „Medienpädagogik in der Volksschule“ vom 23. Bis 24.5.2017 an der PH Salzburg aus unterschiedlichen Perspektiven nachgegangen. Weiterlesen

Das Verschwinden des treuen Begleiters von Bildung in der Gegenwart

Kulturelle Entwicklungen haben die Eigenheit sich langsam und behutsam in unser Leben einzuschleichen, um nach einiger Zeit, wenn selbst die Industrie und die breite Öffentlichkeit davon Wind bekommen hat wie ein Gigolo laut zurufen: „Hei, ich bin da! Du willst und kannst nicht ohne mich.“ Manche kulturelle Bereiche zieren sich wie eine Diva, dies auch wirklich zu glauben und brauchen mehr Überzeugungskraft als andere. Eine solche Diva ist Bildung respektive das Bildungssystem. Und einer dieser etwas lautstarken Gigolos sind digitale Medien; – oder das was in der Thematisierung von Mediatisierung und Digitalisierung jeweils aufs Neue in den Fokus gerückt und mit einem neuen, schillernden Begriff bezeichnet wird. Weiterlesen

Hurra, die Diss ist da!

„Grinsend wie ein frisch lackiertes Hutschpferd freue ich mich wie ein Keks.“

Diese Verquickung zweier Redewendungen verbindet sprachlich zwei Nationen, zwei Regionen, zwei Sprachfamilien und durchaus zwei Mentalitäten, die mich in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt haben. Diese beiden Topographien waren mir (temporäre) Heimaten und – ganz pathetisch formuliert – Wiegen meiner Gedanken. Jener Gedanken, die ich in durchaus mühsamer Arbeit in meiner Dissertation „Bildung reloaded. Zu einem zusammenhängenden Ganzen verwebt habe.

Nun sind diese Gedanken offiziell zugänglich und – wie gesagt – ich freue mich sehr und grinse ‚wie ein frisch lackiertes Hutschpferd’.
Meine Dissertation ist über diesen Link frei verfügbar.
Das Abstract ist am Ende dieses Beitrags. Und wer sich nach dem traurigen Tod von Zygmunt Bauman mit diesem gerade jetzt auseinandersetzen möchte;  – er spielt eine zentrale Rolle in meinen Überlegungen.

Wem die Lektüre mit einem gedruckten und gebundenen Buch mehr behagt, muss sich noch etwas gedulden. Eine Veröffentlichung in gedruckter Version ist unter innsbruck university press bis Mitte des Jahres geplant.

Schönes Wochenende und hoffentlich spannende Lektüre.

Abstract Deutsch:

Bildung findet im Heute, mit Bezug auf Vergangenheit und Zukunft statt. Bildungskonzepte, die der jeweiligen Historizität zu entsprechen suchen unabhängig ob Bildung als individuelle Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen oder als institutionell vorgegebener Prozess verstanden , dürfen aktuelle Gesellschaftsdiagnosen und antizipierte Entwicklungstendenzen nicht unberücksichtigt lassen. Gegenwärtige Lebensbedingungen sind von Pluralisierung, Beschleunigung und nicht zuletzt von einer Mediatisierung und Technologisierung geprägt. Mediatisierung ist hier als grundlegend mediale Präfigurierung aller Lebensbereiche zu verstehen. Nicht selten wird auf Basis genannter Lebensbedingungen für die Gegenwart eine Krise diagnostiziert. Ein Bildungsverständnis, das auf aufklärerisch-humanistische Motive zurückgreift, wie es gegenwärtig häufig noch der Fall ist, hat sich für postmoderne Lebensbedingungen als nicht entsprechend erwiesen. Die beschriebenen sozio-kulturellen Entwicklungen erfordern ein Überdenken und Nachjustieren des bisherigen Bildungsverständnisses. Ausgehend von Beschreibungen sozio-kultureller Bedingungen, die in postmoderner und poststrukturalistischer Tradition stehen, hat die vorliegende Studie Implikationen für eine Vergegenwärtigung des Bildungsverständnisses erarbeitet. Die dabei eingenommene historisch-hermeneutische hat sich im darauffolgenden Schritt um eine kritisch-konstruktive Perspektive erweitert: Drei vieldiskutierte pädagogische Konzepte (von Hans-Christoph Koller, Wolfgang Klafki sowie Benjamin Jörissen und Winfried Marotzki) wurden im Hinblick auf die erarbeiteten Implikationen analysiert. Nach und nach konnten so durch ein deduktives ‚Herausschürfen‘ sozio-kultureller Implikationen für die Pädagogik weitreichende Anschlussmöglichkeiten für eine Vielzahl pädagogischer Handlungsfelder eröffnet werden. Als wesentliche Erkenntnis hat sich gezeigt, dass neue, mediale Darstellungsformate ebenso neue reflexiv-tentative, explorativ-spielerische Verhandlungsformen von Selbst- und Weltverhältnissen ermöglichen. Solche spielerischen, bisherige Handlungsspielräume erweiternden Modi haben sich angesichts einer von Kontingenzen und Ambivalenzen geprägten Lebenswelt als mögliche Antwort auf gegenwärtige und antizipierte zukünftige Herausforderungen erwiesen. Diese Beispiele verweisen auf ein breites Spektrum sozio-kultureller Implikationen für ein Neudenken von Bildung, für das die vorliegende Studie Leitaspekte formuliert.

Abstract Englisch:

According to Zygmunt Bauman education as we know it is ‚in trouble‘. Facing sociocultural changes of the last decades the idea of education in a humanistic tradition is not appropriate anymore. Corresponding to that, this paper outlines main sociocultural implications of the present age for education in a first step. A discussion of Jean-François Lyotard’s ‚postmodernity‘, Zygmunt Bauman’s ‚liquid modernity‘ and Manfred Faßler’s ‚Communities of Projects‘ in a modern time of mediatization and therefor by following a postmodern tradition was done to identify main implications for education by means of a historic-hermeneutic analysis. The idea of mediatization implicates not only an increase of digital media in everyday life, but a general mediatic determination of all parts of our life. In a second step this set of pedagogical implications got used as criteria for a critical reception of three educational concepts, which on the one hand are wildly used and discussed in the german-speaking pedagogical discipline and are aiming to be historical appropriate on the other hand. These are the theory of transformative education (‚Bildung‘) by Hans-Christoph Koller, a concept of general didactics by Wolfgang Klafki and the concept of media education by Benjamin Jörissen and Winfried Marotzki. In this analysis a wide range of challenges for a present idea of education got outlined: The ability for flexibility, as an example, turned out to be an ideal accomplishment of the fundamental pluralization and acceleration of the present life. As an answer to the heterogeneity of life forms and of social relationships in the junction of an online and offline world, in consequence of the fundamental process of mediatization, the use of new technology and innovative modes of medial forms of self-representation and -articulation in a playful, tentative and explorative way was pointed out. By considering sociocultural challenges of the present and theoretical ideas of education for a life characterized by a fundamental mediatization, this approach describes the main issues to be considered by re-thinking education for the present.

 

„Open“ als aktueller Schlüsselbegriff von Forschung und Bildung und was das mit Whisky Sour zu tun hat – Ein etwas anderer Rückblick auf die GMW 2016

Die folgende Kurzerzählung rahmt meine Eindrücke von der und weiterführenden Überlegungen im Anschluss an die 24. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) vom 29.08.-01.09.206 an der Universität Innsbruck.
Im Sinne eines „offenen“ Gedanken- und Wissensaustauschs sind die folgenden Überlegungen nicht gänzlich durchdrungen, argumentativ begründet, theoretisch hergeleitet und/oder empirisch geprüft. Es handelt sich vielmehr um vage Überlegungen, deren Weiterspinnen ich – gerne auch in Gesellschaft – weiterverfolgen möchte.


Ich sitze im Zug.
Innsbruck Hauptbahnhof nach Wien Hauptbahnhof.
Bis zur Grenze nach Deutschland bin ich komisch aufgekratzt, unruhig, nervös.
Ich würde gerne arbeiten; das war ja auch mein Plan: ein paar Mails abarbeiten, Gedanken formulieren, Texte von meiner schon viel zu langen Leseliste lesen, Fragestellungen formulieren, Präsentationen finalisieren.
Schließlich fahre ich vier Stunden. Da soll schon was weitergehen.

Langsam aber doch werde ich immer müder.
Der Schlaf überrollt mich. Tja, was soll ich sagen: Ein paar längere Abende und ich mach schon schlapp. Ich gehöre halt doch nicht mehr zu den ganz Jungen. Oder anders: Wir werden doch alle älter.
Der Schlaf ist kurz und traumlos.
Energiebringend und beruhigend.

Doch dann – es muss kurz vor Salzburg sein, denn mein Smartphone gibt mir den Tarif für die Auslandsnutzung bekannt – wache ich abrupt auf und es schießt mir vor mein imaginäres Auge; ich sehe es groß wie eine Leuchtreklame:… Weiterlesen

Das forschende Hirn sucht weiter…

In der Änderungsschreiberei werden Texte gesponnen, aneinander geheftet und miteinander verwoben, um Veränderungsprozesse zu beschreiben, sie zu greifbaren Stoffen und ihre Textur erkennbar werden zu lassen. Ein Veränderungsprozess wurde hier schon öfter thematisiert und bezieht sich auf Momente des Verfassens der Dissertation und auf den Abschluss des Doktorats. Dieser Veränderungsprozess wird in diesem Beitrag nun ins Zentrum gerückt. Aus gegebenem Anlass wird ihm etwas mehr Platz eingeräumt. Dabei wird der Veränderungsprozess – so es einer ist oder war –retrospektiv von hinten aufgerollt. Weiterlesen

Medienbildung: Wissenschaftstheorie, Methodologie, Forschungsprogrammatik, Empirie

Liebe Leute,

in diesem Jahr  wird unsere Flensburg Winter School 2016 am Seminar für Medienbildung (Europa-Universität Flensburg) ein Stück erweitert. In diesem Jahr – oder für die ÖsterreicherInnen unter uns: heuer – haben wir am ersten Tag (24.11.2016) eine Schwerpunktsetzung auf Fragen rund um MedienbildungsFORSCHUNG, denen wir uns in einem offenen, diskussionsfreudigen Forschungssymposium widmen. Der zweite Tag (25.11.2016) konzentriert sich wie gewohnt auf den Austausch von Akteuren aus Schule, Forschung und Politik im Kontext der medienpädagogischen Praxis (bspw. an Hand konkreter Medienbildungskonzepten von Schulen).

Anbei der Call.
Einreichungen (Abstract, 3.000 Z., all incl.) sind bis 22.Mai 2016 möglich.
Mail an: symposium-medienbildung@uni-flensburg.de
Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Ich freue mich insbesondere auch auf das „Schnacken“ – oder für die ÖsterreicherInnen: Sudern und Ratschn – am 24.11. Abends. Zur Info: Es gibt u.a. Currywurst und Flensburger Bier. Weiterlesen